
Mit freundlicher Genehmigung unseres Sportkameraden Martin Exner.
Liebe Eltern,
Sie können Ihrem Kind dabei helfen, dass
es beim Judo Freude und Erfolg findet. Judo ist ein Kampfsport nach wohlüberlegten,
festen Regeln. Beim Judo können die Kinder balgen und Aggressionen
harmlos abreagieren, ohne dass bei dieser Form einer sportlichen Betätigung
jemand verletzt oder Schaden angerichtet wird.
Judo ist eine olympische Sportart und wird in fast allen Ländern der Erde betrieben.
Dem Kinderjudo werden von Ärzten und Pädagogen besondere Werte zuerkannt. Die Kinder erhalten eine vielseitige, motorische Ausbildung, ohne einseitig überfordert zu werden. Motorische Grundeigenschaften wie Gewandtheit, Schnelligkeit, Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer werden verbessert. Die Kinder lernen in der Gruppe ein positives Sozialverhalten. Die Fairneß steht im Vordergrund. Prügeln findet nicht statt.
Judo macht Spaß!
Es gibt Erfolgserlebnisse, aber der Schüler lernt ebenso seine Grenzen kennen und mit Niederlagen "fertig zu werden". Auch durch Mißerfolge, z.B. im Vergleich mit geübteren Judokämpfern, kann ein Lernfortschritt erzielt und Ehrgeiz geweckt werden.
Sollte Ihr Kind einmal einen Wettkampf verlieren,
tadeln Sie es nicht. Seien Sie nicht ehrgeiziger als Ihr "Sprößling".
Zeigen Sie Verständnis und geben sie Trost und neue Motivationen.
Beim nächsten Mal geht es vielleicht besser. Auch "kleine Meister"
fallen nicht vom Himmel.
Und wenn ihr denkt, Judo ist nur etwas für
Große und Starke, dann müßt ihr wissen:
Judo ist für alle da!
Judo ist für große, kleine, dicke, dünne, schwache und starke Jungen und natürlich auch für Mädchen.>
Ich werde Euch jetzt erst einmal erzählen,
was Judo eigentlich ist. Judo wurde vor über 100 Jahren von einem
Mann geschaffen, der Jigoro Kano hieß und in Japan wohnte. Er gründete
1882 eine Judoschule (Kodokan), in der seine Schüler den Judokampf
nach von ihm erfundenen Kampfregeln lernten. Er zeigte seinen Schülern
Fallübungen sowie Würfe und Griffe, mit denen auch kleinere oder
körperlich schwächere Menschen einen großen, stärkeren
Gegner besiegen können. Und das besonders Gute bei diesem Judokampf
war, dass man alle Tricks und Würfe mit einem Partner oder einem Freund
auf Strohmatten übte, so dass man weder ihn noch sich selbst dabei
verletzte. Judo ist also ein Kampfsport, bei dem man sich ordentlich austoben
kann, ohne dass dabei etwas Schlimmes passiert.
Aber ich wollte Eueren Kindern ja erzählen,
was man beim Judo so alles machen kann:
Als erstes gibt es die Judowürfe.
Man kann also seinen Gegner werfen. Da gibt es ganz tolle Würfe, bei denen der Gegner wie eine Rakete durch die Luft fliegt.
Wenn
Ihr jetzt denkt, "das muß doch weh tun" oder, ,,dabei kann man sich
bestimmt verletzen", so irrt Ihr Euch; denn bevor man seinen Partner wirft
oder selbst geworfen wird, lernen beide richtig fallen. Ihr lernt dabei,
wie Ihr Eure Arme, Beine und den Kopf halten müßt, damit Euch
nichts weh tun kann.
Und damit das Fallen richtig Spaß macht, gibt es beim Judo eine große Matte, auf der man trainiert. Diese Matte ist natürlich weicher als der Fußboden und federt auch ein wenig, so dass nichts passieren kann.
Dann gibt es beim Judo die Haltegriffe.
Wenn man nämlich seinen Partner umgeworfen
hat oder selbst zu Boden gefallen ist, kämpft man auf der Matte weiter.
Man versucht dabei, den Partner auf der Matte so geschickt, festzuhalten,
dass er auch dann nicht mehr aufstehen kann, wenn er alle seine Kräfte
anwendet. Er liegt, wenn man das richtig macht, wie "angenagelt".
Wenn
man dabei bis 25 zählt (das sind ungefähr 25 Sekunden) und der
Gegner immer noch nicht aufstehen kann, hat man den Kampf gewonnen. Oft
gibt der Partner aber, weil er merkt, dass er doch nicht rauskommt, schon
vorher auf.
Als drittes haben wir noch die Armhebel.
Hierbei kann man die Arme seines Gegners so verbiegen, dass es, wenn man immer weiterbiegt, wehtut. Ihr müßt also bei Armhebeln ganz besonders vorsichtig sein, denn wenn man einen Arm zu stark verbiegt, könnte man den Partner verletzen.
Sobald man merkt, dass dem anderen ein Armhebel gelungen ist, ruft man laut ,,halt" oder klopft auf die Matte, bevor es wehtut. Der andere hört dann sofort auf und hat gewonnen.
Dann gibt es beim Judo noch die Würgegriffe.
Das hört sich vielleicht schrecklich an, ist aber gar nicht so schlimm. Man versucht dabei nur den Gegner zu würgen, und sobald dieser dann merkt, dass man einen richtigen Würgegriff angesetzt hat, gibt er auf, indem er abklopft.
Das
Abklopfen ist eine prima Erfindung beim Judo. Sobald beim Judokampf einem
der beiden Kämpfer irgend etwas wehtut, klopft er mit seiner Hand
zwei- bis dreimal auf die Matte oder aber gegen den Körper des Partners.
Das letzte ist sogar noch besser, da es beim Training manchmal sehr laut
zugeht. Wenn man dann auf die Matte klopft, hört es der Partner vielleicht
nicht. Sollte man nicht mehr mit den Armen klopfen können, so klopft
man einfach mit den Füßen, oder man brüllt laut ,,Halt".
Das alles heißt: ,,Ich gebe auf". Natürlich hört man sofort
auf zu kämpfen, sobald der Gegner abklopft oder ,,Halt", sagt, denn
wir wollen unseren Gegner/Partner auf keinen Fall verletzen. Das Gleiche
erwarten wir auch von allen anderen Judoka (so nennt man die Judokämpfer),
damit uns nichts passiert. Ihr seht also, Judo ist ein besonders fairer
Kampfsport.
Wenn Ihr Euch jetzt das Bild von diesem Judomädchen genau anseht, werdet Ihr bestimmt denken, was hat denn die eigentlich für einen komischen Schlafanzug an.
Dieser Schlafanzug heißt "Judogi" und ist ein Judoanzug. Er ist sehr praktisch. Man kann daran reißen und ziehen, ohne dass dabei etwas kaputt geht. Er ist nämlich aus sehr festem, dickem Stoff. Es gibt keine Knöpfe oder Reißverschlüsse, an denen man sich beim Kämpfen verletzen kann. Da man die Jacke nicht zuknöpfen kann, gibt es einen Gürtel, mit dem man sie zubindet.
Was muß ein Judoka beachten, wenn er zum Judotraining geht?
1. Der Judoanzug sollte immer einigermaßen
sauber sein.
2. Die Fingernägel dürfen nicht zu lang
sein, damit man den Partner dadurch nicht verletzt. Ebenso sollten die
Fußnägel kurz gehalten werden, denn beim Judo kämpft man
ja barfuß. Deswegen müssen auch die Füße sauber sein.
3. Zu lange Haare sind unpraktisch. Aber mit einem
Haargummi (ohne Metall!!) kann man sie nach hinten binden.
4. Kaugummis und Bonbons gehören nicht auf
die Matte. Diese Dinger könnten Euch nämlich beim Training im
Hals steckenbleiben, oder sie kleben auf der Matte.
5. Alle harten Gegenstände mit denen man
sich oder andere verletzen könnte, haben im Judotraining nichts zu
suchen. Also, alle Ketten, Finger- und Nasenringe gleich zu Hause lassen!